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Möbeldiscounter – Stilvoll Geld ausgeben

Es muss ja nicht immer das Teuerste sein. Okay, geben wir es zu, massive Eichenschränke oder überhaupt ordentlich von einem Tischler aus einem kleinen Unternehmen verarbeitete Ware ist einfach besser. Und somit auch begehrenswerter. Allein, wer kann sich das heute noch leisten?

Handgefertigt oder Massenware?

 

Gerade in Hamburg ist es schwierig: die Hansestadt ist ja nicht unbedingt der günstigste Ort in Deutschland. Manche behaupten sogar, die teuerste, aber das ist sicherlich auch eine Frage der Kalkulation, bzw. der Statistik – da soll man ja keiner selbigen trauen, die man nicht selbst gefälscht hat. Wie soll man es sich da um Himmels Willen noch leisten, das gute alte Handwerk zu unterstützen, so gerne man dies auch täte. Wäre ist nicht ein Traum, und zwar ein ziemlich guter, sich seine Möbel nach eigener Vorstellung und Anweisung fertigen zu lassen? Das Holz und die anderen Materialien selbst auszusuchen?

 

Aber dafür müsste man doch ziemlich tief in die Tasche greifen, denn neben den bloßen Materialkosten fallen ja auch noch vor allem die Arbeitsstunden an. Und nur ein Drittel von den Kosten besteht im tatsächlichen Stundenlohn. Und der Umstand, dass es immer mehr Anbieter gibt, die ihre Produkte zu einem Preis anbieten, der erheblich unter dem liegt, was man für das gleiche Produkt bezahlen müsste, wäre es in einem heimischen Tischlereiunternehmen gefertigt worden. Das Produkt wäre in diesem Falle vermutlich auch besser verarbeitet und würde erheblich mehr kosten als sein preiswerter Klon. Aber kann man es sich in Zeiten der Krise überhaupt noch erlauben, das traditionelle Handwerk zu unterstützen?

Was kostet die Welt?

Es ist ja ohnehin ein seltsames Verhältnis, das der Mensch zu den Werken bekommen hat, die er mit seinen eigenen Händen anfertigt: wenn ein Produkt zur Ware wird und man es an seinem Marktwert misst, und man dann auch noch selbst seine sauer verdienten Kröten dafür hergeben muss, dann ist es schwer einzusehen, warum man mehr für etwas ausgeben sollte, das man in ähnlicher Qualität woanders erwerben kann. Doch ist Deutschland nicht gerade das billigste Land, was Lebenshaltungskosten usw. betrifft und ein Tischler muss auch von etwas leben – überbezahlt ist er bestimmt nicht. Es verhält sich ja vielmehr so, dass die Preise durch Massenproduktion und die Fertigung in Ländern mit schwächerer Ökonomie - und dadurch niedrigeren Löhnen - verdorben sind.

Aber nicht nur die Preise sind es, die in einem seltsamen Verhältnis zur Ware stehen; auch die Kunden selber unterliegen ökonomischen Zwängen und müssen sehen, wo sie bleiben. Das ist nicht immer so ganz einfach, speziell wenn sich im Spätkapitalismus eine Wegwerfmentalität etabliert hat. Und das ist gar nicht so dekadent, wie das jetzt vielleicht klingen mag; die Welt ist voller Innovationen und Produkte, die man spätestens dann auch selber haben möchte, wenn der Nachbar sie schon hat. Oder die anderen Kinder. Es ist folglich eine schwerwiegende Entscheidung, sich der Logik der Marktgesetze zu entziehen. Und so ganz gelingt dies ja doch quasi niemandem. Und viele, die es versuchen, arbeiten doch nur an dem dubiosen Versuch, nach dem richtigen Leben im falschen zu streben.

Eine Blüte dieser Bewegung sind die Bio-Fetischisten, doch auch Bio-Produkte unterliegen kapitalistischen Gesetzen und werden nicht selten unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt. Kapriziert man sich also auf ökologisch nachhaltige Waren, reicht das auch nicht zur Gewissensberuhigung. Dem eigenen Körper gegenüber schon, na klar, aber mehr ist da auch nicht zu holen. Dafür mehr auszugeben: wer sich ein ständiges großes Bio-Sortiment in der Küche leisten kann, der hat Geld. Und könnte sich vermutlich auch leisten, sich das eine oder andere seriöse Tischler-Produkt zu leisten. Aber würden dies alle tun, sparsam und vernünftig leben, Durabilität höher bewerten als den kurzfristigen niedrigen Preis - obwohl billig ja bekanntlich teurer kommt - sich der Wegwerflogik entledigen – es würde einer Wirtschaft, die auf Wachstum angelegt ist und deren Feind die Sparsamkeit ist, am Ende gar schaden. Deshalb kauft sich der gute Bürger alle paar Jahre ein neues Auto, macht sein Leben mit neuen elektronischen Spielereien erträglicher und komfortabler.

Die Entscheidung steht jedem frei

Die Entwicklung neuer, innovativer oder blödsinniger Produkte wird also vorangetrieben, indem die Leute kaufen, kaufen, kaufen, und der Versuch, sich der Verwertungslogik und der Mittäterschaft bei der Ausbeutung von Billiglohnländern, oder gar billigen Arbeitskräften hierzulande, zu entziehen, erfordert große Opfer und radikale Entscheidungen. Wer hingegen mitmachen möchte oder entscheidet, sein Gewissen durch ein paar Entscheidungen ein bisschen zu beruhigen, sich aber dadurch nicht gleich vollkommen außerhalb der Gesellschaft zu positionieren, der ist frei, zu entscheiden, wo er kauft.

Da kann der Weg auch in den verrufenen Supermarkt ohne Gewerkschaft führen, der nicht stärker den Marktgesetzen gehorcht als der kleine mittelständische Laden. Wenn das Gewissen es zulässt. Und da der Ausstieg aus der Gesellschaft alles andere als die Regel ist, erscheint es nur folgerichtig, dass die Möbeldiscounter Hamburg und andere Städte säumen. Denn wer häufiger neue Kleider braucht, ein Smartphone haben möchte, einen Wagen unterhält und nicht jeden Tag Spaghetti mit Tomatensauce essen möchte, der freut sich auch über Polstermöbel zu günstigen Preisen - man möchte schließlich nicht leben wie ein Hund. Schließlich haben Hamburg und andere Großstädte stilistisch einen Ruf zu verlieren.